Rudolf-Steiner-Schule Ismaning


Eigentlich ist die Globalisierung eine große Errungenschaft. Es ist doch großartig, dass die Erde heute ein Ganzes geworden ist. Wir können es historisch zum ersten Mal miterleben: die Menschen auf der anderen Seite der Erde sind unsere Brüder und Schwestern. Das ist der Vorteil der Globalisierung. Aber: Sie ist verbunden mit einem egoistischen Wirtschaftssystem und das müssen wir ändern. Denn die Folge dieses egoistischen Wirtschaftssystems ist, dass vier Fünftel der Menschheit unter dem Existenzminimum leben muss und ein Fünftel, und da gehören wir dazu, in reichem Überfluss lebt. Da ist das Problem, nicht bei der Globalisierung als Solcher.


Welche Antwort gibt uns die Anthroposophie: wie können wir dieses Missverhältnis ändern?

Die Anthroposophie geht zunächst den Erkenntnisansatz. Es ist schon genial dass Rudolf Steiner 1920 eingeladen wird, einen Kurs über Nationalökonomie zu geben. Seine Antwort war: „das ist doch Quatsch. Heutzutage macht es kaum noch Sinn über Nationalökonomie zu sprechen, ich muss von der Weltwirtschaft reden“.
Vor fast 100 Jahren zeigt er da schon in die richtige Richtung.
Heute ist die Welt eins geworden, aber wir haben keine richtigen Begriffe in der Wirtschaftslehre, die diesem Problem gerecht werden können. Wir müssen also diese und da heraus das richtige Handeln und Zusammenarbeit begründen.

Und wohin geht da die Reise?

Da habe ich ein schönes Beispiel echter, positiver Globalisierung. Europäer hatten die Idee, in Indien biologische Baumwolle anzubauen und die Bauern ihres Projektes in die Selbstverwaltung zu bringen. Sie wollten ihnen die Grundlagen an die Hand geben, selbst ihre Lage zu meistern. Inzwischen sind da fast 1500 Bauern beteiligt, die haben inzwischen eine Schule eingerichtet und die wird von einer Frau geleitet, was für Indien eher ungewöhnlich ist.

Gut. Indien und Landbevölkerung. Wie machen wir das hier, in Großstädten und mit Konzernen die hunderttausend Mitarbeiter haben?

Das Projekt in Indien funktioniert deshalb, weil hier in Europa bewusste Konsumenten sich mit der Arbeit der Bauern in Indien Verbinden. Wir nennen das das Assoziative. Der Konsument übernimmt Mitverantwortung für die Art wie produziert wird. Das ist noch gering, doch es wird mehr und mehr. Das ist ein wichtiger Ansatz. Und weitergehend: Betriebe mit 100.000 Mitarbeitern sind doch gar nicht mehr zeitgemäß. Da wird man in Zukunft selbst verwaltete Einheiten schaffen. Götz Werner hat es uns ja gestern erzählt, wie in seinen 1200 Filialen die Menschen anfangen, auf ganz neue Art zusammenzuarbeiten. Die Veränderung ist schon überall spürbar, die neue Welt lebt schon. Auch wenn sie noch nicht so stark wahrgenommen wird.

Was kann die Waldorfbewegung dazu beitragen?

Das beste Beispiel ist gerade hier. Das was mit dieser Tagung geleistet wurde, ist beispielhaft und das habe ich noch nie so irgendwo erlebt. Und dann gerade Wirtschaft, na, das ist doch in anthroposophischen Kreisen fast unanständig über Wirtschaft zu sprechen. Eine solidarische Wirtschaft in den Mittelpunkt zu rücken, das ist genial. Für die Schüler ist es vielleicht ungewöhnlich, doch gerade der Schritt, die anderen Schulen der Umgebung mit einzuladen ist absolut ein Schritt in die richtige Richtung. Herzlichen Glückwunsch dafür.

ENDE